Zimmer frei für den Rüttelfalken

Die Wassertürme in Scherlebeck sollen wieder bewohnt werden. Nicht von einem Wärter des Wasserwerks, sondern von einem Turmfalkenpärchen.

Ein 50 Zentimeter breiter und 30 Zentimeter hoher Nistkasten wird in luftiger Höhe ihr neues Zuhause werden. "Turmfalken besiedeln hohe Gebäude. Eine Nisthilfe in einer Höhe von rund 30 Metern ist einfach ideal", schwärmt Herbert Beste, Chef vom Naturschutzbund Herten. 2003 hat er den Bürgerpreis erhalten. Er schaut hoch zu dem westlichen der beiden Wassertürme.

Grün und blau gestreift erhebt sich das Scherlebecker Wahrzeichen über die umliegenden Felder, die dem kleinen Greifvogel ein reiches Jagdrevier bieten. "Schon ein einzelner Turmfalke frisst täglich etwa acht Mäuse. Wenn er jedoch Junge zu versorgen hat, braucht er bis zu 30 Mäuse am Tag. Und die kann er hier finden", erklärt Hans Haas, der gemeinsam mit Irene und Herbert Beste eine Nisthilfe auf dem Turm anbringen will.

Die Zahl der Turmfalken ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Schuld daran sind fehlende Jagdreviere und Brutplätze. Um Tauben fernzuhalten, die das Gemäuer verschmutzen, werden immer mehr Nischen an Türmen mit Maschendraht verschlossen. „Dabei würde auch ein Turmfalke die Tauben vertreiben", erklärt Herbert Beste. Immer mehr Jagdreviere gehen durch Bebauung verloren. Zusätzlich sind die Beutetiere durch Pflanzen- und Insektenvernichtungsmittel belastet. Aber auch wenn an diesem Tag kein Falke an den Wassertürmen zu sehen ist, so gibt es klare Hinweise darauf, dass dort Falken sind.

"Wir haben weiter oben am Turm so genanntes Gewölle gefunden", sagt Beste und erklärt dazu: "Das sind Ballen von ausgeschiedenen unverdaulichen Nahrungsresten. Der Fachmann kann daran sogar erkennen, welche Tiere der Falke gefressen hat."

Der Weg nach oben auf den Turm wird durch eine lange Wendeltreppe im Innern erleichtert. 95 Stufen führen bis auf das Dach aus grauen, vernieteten Stahlplatten. Ein weißes Geländer sichert den Rand. Die drei Naturschützer sind ein eingespieltes Team. Herbert Beste befestigt den Nistkasten neben einer Leiter auf der wetterabgewandten Seite des Turmes. „So eine geschützte Lage ist am besten“, erklärt er, während sein Mitstreiter Hans Haas Streu und Steine in dem Kasten verteilt. "Schließlich baut der Turmfalke kein Nest, sondern er scharrt nur ein wenig, damit die Eier richtig liegen", sagt Irene Beste.

Fertig ist die "Wohnung" in 30 Metern Höhe über der höchsten natürlichen Erhebung Hertens. Nun kann der Turm wieder "bewohnt" werden. Noch bis 1985 lebte im Erdgeschoss ein Ehepaar, das alle zwei Stunden die Pegelwerte an das Wasserwerk in Haltern meldete. "Das ist heute nicht mehr nötig, alles geht automatisch und wird aus der Ferne überwacht", erklärt Edgar Boer, Betriebsdirektor von Gelsenwasser in Recklinghausen und somit auch für die Wasserversorgung von Herten zuständig. "Aber die Türme sind natürlich weiterhin in Betrieb und werden jede Nacht aufgefüllt. Bei den Kontrollgängen können wir ja mal vorsichtig nachschauen, ob Turmfalken tatsächlich in dem Kasten brüten."

Das wäre gut für die Region, denn immer seltener ist sein markanter Flug am Himmel zu sehen. Weil er bei der Jagd mit heftigen Flügelschlägen und breit gefächertem Schwanz rüttelnd in der Luft "steht", wird er auch „Rüttelfalke“ genannt. Erst wenn er seine Beute erspäht hat, stößt er blitzschnell herunter. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es in Deutschland nur noch etwa 50.000 Brutpaare gibt. Herbert Beste rechnet in Herten mit ausreichenden Revieren für sechs bis acht Paare. "Vielleicht sogar noch mehr."

Nach dem Start mit dem ersten Nistkasten sollen möglichst in den kommenden Wochen weitere folgen: am Wenger-Turm, am Elisabeth- Krankenhaus und am Schloss Herten. Vielleicht finden sich auch Gemeinden, die einen Kirchturm als Standort für eine Nisthilfe zur Verfügung stellen können. Oder Bauernhöfe, die eine hohe Scheune haben. Denn für Herbert Beste und seine Mitstreiter gibt es noch viel zu tun.

Schließlich lautet der Naturschützer-Slogan: "Kein Turm ohne Falke."


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